|
Während Deutschland auf absehbare Zeit die Maastricht-Kriterien nicht erfüllen wird, rechnet Spanien für das kommende Jahr sogar erneut mit einem Haushaltsüberschuss. Was steckt hinter dem iberischen Wirtschaftswunder und wodurch wird es bedroht?
manager magazin Wer auch immer künftig in Berlin als Kassenwart der Bundesfinanzen die Prügel aus Brüssel wird einstecken müssen, sein Blick wird sicherlich häufiger neiderfüllt gen Süden schweifen. Dort hat der spanische Wirtschaftsminister, der ehemalige EU-Kommissar Pedro Solbes, nämlich jüngst angekündigt, trotz einer Steigerung der Ausgaben um 7,6 Prozent auf 134 Milliarden Euro im kommenden Jahr einen Haushaltsüberschuss von 0,2 Prozent zu erwirtschaften. Spanien als Europäischer "Musterschüler", wie die "Süddeutsche Zeitung" unlängst titelte? Die volkswirtschaftlichen Kennzahlen sind in der Tat beeindruckend. Sowohl beim Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) als auch bei den Bruttoinvestitionen ist Spanien im Schnitt der vergangenen fünf Jahre europäische Spitze, beim privaten Konsum schneiden nur die Briten besser ab. Und auch für die Zukunft peilt die Regierung in Madrid an, dass die spanische Wirtschaft rund doppelt so stark zulegt wie der Schnitt der Europäischen Union (EU). Eine wichtige Säule dieses Erfolges sind die niedrigen Zinsen, die noch unterhalb der Inflationsrate liegen. Sie sind der Grund für den schon erwähnten Konsumrausch und gleichzeitig Grundlage für den anhaltenden Bauboom in Spanien. Mit 700.000 Wohnungen wurde im vergangenen Jahr mehr gebaut als in Deutschland, Frankreich und Italien zusammen. Neben den niedrigen Zinsen für spanische Häuslebauer ist auch die ungebrochene Nachfrage nach Ferienimmobilien und Alterssitzen zum Beispiel auf Mallorca für die Beton-Hausse - rund 18 Prozent des BIP stammen aus der Baubranche - verantwortlich. Neben der Gefahr, dass die Konsum- und Bau-Blase platzen könnte, sind der Madrider Regierung auch die anderen offensichtlichen Schwächen des Standortes Spanien durchaus bekannt. So soll ein wesentlicher Teil der zusätzlichen Haushaltsgelder für die Schaffung von 460.000 neuen Arbeitsplätzen verwendet werden, um die Arbeitslosenquote unter 10 Prozent zu drücken. Ein zweiter Schwerpunkt der Staatsinvestitionen ist der Bildungsbereich. Denn trotz der wirtschaftlichen Erfolge fällt Spanien dort im internationalen Vergleich immer weiter zurück. |