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Unternehmen, die sich den "Best of European Business"-Award verdienen wollen, müssen mindestens ein Drittel ihres Umsatzes außerhalb Deutschlands erzielen. Aber nicht nur das - hier die Preisträger. Financial Times Deutschland Draußen prahlt das neue Berlin mit dem Boulevard Unter den Linden, das Brandenburger Tor gefällt sich in seiner gekärcherten Frische. Drinnen in der Botschaft Russlands dagegen geht es ein wenig zu wie in alten Zeiten. Seine Kritik verpackt der ehemalige Botschafter der USA in Deutschland, John Kornblum, nur notdürftig in geheucheltes Mitleid. Dass im Zusammenhang mit Russland immer von Oligarchen die Rede ist - als großes Land müsse man mit solchen Vorurteilen zu leben lernen. Dumm nur, dass der Gastgeber zur Diskussion auf die Bühne geklettert ist, um genau die zu zerbröseln. Also fragte der russische Botschafter Vladimir Kotenev spitz zurück, wie man eigentlich die Oligarchen in den USA nenne. Als Kornblum nur ein wenig konzediert, dass es selbstverständlich auch in den USA einflussreiche Unternehmer gebe, legt Kotenev nach. Spricht von "Öl-Magnaten" und schiebt noch eine ziemlich freche Polemik hinterher. Ein gewöhnungsbedürftiger Luxus ist das für die versammelten deutschen Unternehmer. Der Chef der Unternehmensberatung Roland Berger, Burkhard Schwenker, hat die besten eingeladen, um sie mit dem Preis "Best of European Business" auszuzeichnen. "Europas Wirtschaft ist stärker, als viele globale Wettbewerber hoffen", sagt er. Kotenevs vehemente Werbung für russische Investoren ist an diesem Abend bester Beleg. Bei den ausgezeichneten Unternehmen kann er auf eine gewisse Gelassenheit beim Thema hoffen. Eine Chance auf den Preis hat nur, wer mindestens ein Drittel seines Umsatzes außerhalb Deutschlands erzielt. Das ist eines der Merkmale, die den "Best of European Business"-Preis von anderen Preisen unterscheidet. Weitere Besonderheit: Roland Berger lässt nationale Sieger von mehrköpfigen Jurys anhand festgelegter Kennzahlen in insgesamt zehn europäischen Volkswirtschaften ermitteln: Neben Deutschland in Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Polen, Portugal, der Schweiz und Spanien. Wer durchkommt, hat die Chance auf den gesamteuropäischen Titel, den die Berater am 15. und 16. März in Brüssel verleihen. Benteler, der Wachstums-Sieger Aus Deutschland hat sich in der Kategorie Wachstum bei den Unternehmen mit mehr als 3 Mrd. Euro Umsatz die Benteler AG durchgesetzt. Die Jury fand überzeugend, wie der Automobilzulieferer, Stahlrohrproduzent und Maschinenbauer trotz harter Konkurrenz profitabel gewachsen ist. Vorstandschef Hubertus Benteler hält den nicht-börsennotierten Konzern so seit Jahren konstant bei einer Umsatzrendite von mehr als zwei Prozent - in der Branche eine beachtliche Leistung und Ergebnis des treffenden Gespürs für die richtigen Produkte und konsequente Internationalisierung: Der Konzern arbeitet heute mit mehr als 20.000 Beschäftigten an 150 Standorten in 34 Ländern. Der Umsatz wuchs allein im vergangenen Jahr um knapp 20 Prozent auf rund 5,3 Mrd. Euro. Puma gewann den Preis in der Kategorie der Unternehmen bis 3 Mrd. Euro Umsatz. Der Sportartikel- und Lifestyle-Konzern steigerte im Vorjahr den Umsatz um gut 16 Prozent auf knapp 1,8 Mrd. Euro - bei einer Rendite von erneut deutlich über 20 Prozent. Der langjährige Vorstandschef Jochen Zeitz beeindruckte die Jury dabei mit seiner Geradlinigkeit: Das Potenzial der Marke wird konsequent über alle Regionen und geeigneten Sportarten und Produktkategorien ausgerollt. In der Kategorie Europa konnten sich Unternehmen mit besonderem Fokus auf den Kontinent auszeichnen. Der Mischkonzern Haniel gewann in der Kategorie der Unternehmen mit mehr als 3 Mrd. Euro Umsatz. Das Familienunternehmen erzielt seinen Umsatz von inzwischen knapp 26 Mrd. Euro zu einem sehr großen Teil im europäischen Ausland. Der Familienkonzern ist in 24 europäischen Ländern aktiv und beschäftigt dort insgesamt 55.000 Mitarbeiter. Den Heiz- und Klimatechnikspezialist Vaillant sah die Jury unter den Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 3 Mrd. Euro vorn. Fast 98 Prozent seiner Erlöse von zuletzt 1,8 Mrd. Euro erzielt erzielt Konzernchef Michel Brosset in Europa und baut dazu die Fabriken in Deutschland, Großbritannien und der Slowakei aus. Zudem übernahm Vaillant im vergangenen Jahr den italienischen Konkurrenten Hermann. Preiswürdige "grenzübergreifende Zukäufe" Zu einem Preis auch in der Kategorie "grenzübergreifende Zukäufe" reichte der Deal allerdings nicht. Den Preis nahm Eon-Vorstand Hans Michael Gaul entgegen - beim Energiekonzern verantwortlich unter anderem für Strategieplanung sowie Fusionen und Übernahmen. Die Jury fand den Kauf des britischen Energie- und Gasunternehmens PowerGen für rund 15 Mrd. Euro überzeugend, weil er die Düsseldorfern bei der Fokussierung eben auf dieses Geschäftsfeld einen großen Schritt voranbrachte. Auch BASF lag mit dem Erwerb des Spezialchemie-Produzenten Engelhard aus den USA aussichtsreich im Rennen. Zwar musste Vorstand John Feldmann den Preis Gaul überlassen. Dafür konnte er aber Versöhnliches zum Zwist zwischen Gastgeber Kotenev und Kornblum stiften. Mit Russen könne man gut Geschäfte machen, so der promovierte Chemiker. Wenn man sich denn - gegenseitig - die Zeit für eine echte Partnerschaft nehme. Bei dem European Business Award gibt es drei Preiskategorien: Wachstum, europäische Ausrichtung und grenzübergreifende Übernahme-Transaktionen. Für die erste Kategorie ist profitables Umsatzwachstum zwischen 2001 und 2005 entscheidend, für die zweite Umsatz, Mitarbeiter und Standorte im europäischen Ausland sowie die Bewertung der Ausrichtung des Unternehmens. Für die dritte Kategorie ist die Größe der Transaktion, ihre Erfolgsaussichten sowie der europäische Fokus ausschlaggebend. Die Jury: Dieter Ammer (Vorstandsvorsitzender Tchibo-Holding) Arno Balzer (Chefredakteur Manager Magazin) Nicola Leibinger-Kammüller (Vorsitzende der Geschäftsführung Trumpf) Klaus Kleinfeld (Vorstandschef Siemens) Steffen Klusmann (Chefredakteur Financial Times Deutschland) Klaus Spremann (Professor an der Universität St. Gallen) Burkhard Schwenker (Vorsitzender der Geschäftsführung Roland Berger ) |