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Helden im Weltmarkt

Beim Wettbewerb "Best of European Business" kürt das Beratungsunternehmen Roland Berger in Berlin die deutschen Gewinner. Die Siegerbranchen: Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Zulieferer der Lkw- und Automobil-Hersteller.

Europa verkörpert Vielfalt. Und die erfolgreichsten europäischen Firmen zeigen im Wettbewerb 'Best of European Business', wie man diese Vielfalt in wirtschaftlichen Erfolg umsetzen kann", erklärt Roland Berger-Chef Burkhard Schwenker die Idee des Wettbewerbs.

Mit der Initiative "Best of European Business" (BEB) untersuchen die weltweit tätigen Strategieberater, wie Europas Unternehmen den internationalen Wettbewerb meistern können und welche Auswirkungen die Globalisierung auf das Verhältnis der EU zu anderen Wirtschaftsräumen hat. Experten haben 6000 Unternehmen aus sieben großen europäischen Volkswirtschaften anhand von öffentlich zugänglichen Daten bewertet. Aus den Nominierten wählen Länderjurys nationale Gewinner, aus deren Reihen werden wiederum europäische Gesamtsieger gekürt. In diesem dritten Jahr der Preisverleihung gilt die Aufmerksamkeit den Beziehungen zu Europas wichtigstem Handels- und Wirtschaftspartner - den USA.

Deutsche Sieger im europäischen Wettbewerb

Nach einer Podiumsdiskussion zum Thema "Who needs America?" bei der Atlantik-Brücke und einem Empfang in der Residenz des amerikanischen Botschafters William R. Timken wurden im Alliierten Museum am Mittwoch die deutschen BEB-Sieger bekannt gegeben. Die gravierten Trophäen aus Plexiglas gingen an drei deutsche Firmen und eine Unternehmerpersönlichkeit. Gewonnen haben: In der Kategorie "Wachstum mittlere Unternehmen" der Nutzfahrzeugbauer Schmitz Cargobull, den Preis für "Wachstum große Unternehmen" erhielt der Automobilzulieferer Benteler. Für seine "Länderübergreifende Firmenübernahme" bekam der Gesundheitskonzern Fresenius die Auszeichnung. Mit dem Sonderpreis "Transatlantische Beziehungen" wurde Airbus-Chef Thomas Enders geehrt. Schirmherr der Preisverleihung war Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.

"In der Kategorie Wachstum haben wir die Unternehmen in große Firmen mit einem Umsatz über 5 Mrd. Euro und mittlere Firmen mit einem Umsatz zwischen 1 und 5 Mrd. Euro Jahresumsatz unterteilt. In die engere Wahl kamen Unternehmen mit profitablem Umsatzwachstum zwischen 2002 und 2006", erklärt Kai Engelmann, Chefökonom bei Roland Berger. "Danach haben wir deren Wachstumsstrategien analysiert."

In der Kategorie grenzüberschreitende Mergers & Acquisitions untersuchten Engelmann und sein Team die Übernahmestrategien von Firmen mit einem Umsatz von über 1 Mrd. Euro und einem Transaktionsvolumen von mehr als 250 Mio. Euro im Jahr 2006.

Auszeichnung für berufliches und persönliches Engagement

Beim Sonderpreis für transatlantisches Engagement kamen vier Unternehmerpersönlichkeiten aus deutschen Konzernen in die engere Wahl. Sie haben sich um die Wirtschaftsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten verdient gemacht. "Hier zählte das nachhaltige berufliche und persönliche Engagement der Kandidaten für die Beziehungen Deutschlands zu seinem wichtigsten Handelspartner außerhalb der EU: den USA", erklärt Engelmann.

"Die endgültige Entscheidung in jeder Kategorie setzte sich aus den Einzelbewertungen der Jurymitglieder zusammen", sagt der Chefökonom zum weiteren Prozedere. Dafür wurde dem deutschen Gremium eine Analyse öffentlich zugänglicher Finanzkennzahlen und strategischer Faktoren für die leistungsfähigsten Unternehmen jeder Kategorie vorgelegt. Die Jury ist mit fünf Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Medien und Wissenschaft besetzt. Mitglieder sind Arno Balzer (Chefredakteur des "Manager Magazins"), Jürgen Großmann (Vorstandsvorsitzender von RWE), Steffen Klusmann (Chefredakteur der Financial Times Deutschland), Roland-Berger-Chef Burkhard Schwenker sowie Klaus Spremann, Professor an der Universität St. Gallen.

Das Beratungsunternehmen Roland Berger veranstaltet den BEB-Wettbewerb in Europa seit 2005. Vor der diesjährigen deutschen Ausscheidung standen bereits die Siegerfirmen aus Spanien, Portugal und Polen fest. In den nächsten Wochen fallen noch die Entscheidungen in Frankreich, Großbritannien und Italien. Aus den nationalen Gewinnern wird für jede Kategorie ein europäischer Gesamtsieger gewählt. Diese Besten der Besten stehen am 21. Februar 2008 beim "European Business Summit" in Brüssel im Mittelpunkt. Bei dem Europa-Gipfel zum Thema "Greening the Economy - new Energy for Business" treffen sich über 3000 Entscheider aus Wirtschaft und Politik.
Die deutschen Sieger in den einzelnen Kategorien:
Transatlantische Beziehungen: Thomas Enders

Thomas Enders, Chef von Airbus SAS, hat den Preis in der Sonder-Kategorie "Transatlantische Beziehungen" des Wettbewerbs von "Best of European Business" (BEB) gewonnen. Die Jury zeichnet ihn für sein berufliches und persönliches Bemühen aus, die Bande zwischen Deutschland und den USA zu festigen.

Enders engagiere sich als Vorsitzender der Atlantik-Brücke für die Stärkung der transatlantischen Beziehungen, heißt es in der Begründung für die Entscheidung. Seit drei Jahren sitzt Enders der Atlantik-Brücke vor. Der Verein setzt sich für die Stärkung der Beziehungen zwischen Deutschland und Nordamerika ein.

Enders wird auch als Unternehmer geehrt: "Er hat dazu beigetragen, den europäischen Konzern Airbus auf dem Weltmarkt gegenüber dem amerikanischen Konkurrenten Boeing zu positionieren." Der Airbus-Chef setzt sich im BEB-Wettbewerb gegen die Topmanager Josef Ackermann (Deutsche Bank), Henning Kagermann (SAP) sowie Dieter Zetsche (Daimler) durch.

Seit August 2007 leitet der 49-Jährige der europäischen Flugzeughersteller. Davor hatte er zusammen mit Louis Gallois drei Jahre lang die deutsch-französische Doppelspitze des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS gebildet. Enders hatte hier im Jahr 2000 als stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Mitglied des Lenkungsausschusses begonnen.

Heute sitzt er in den Aufsichtsräten mehrerer deutscher Unternehmen. Seit 2005 ist er zudem Präsident des deutschen sowie des europäischen Verbandes der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Seine Karriere begann Enders nach dem Studium der Volkswirtschaft, Politik und Geschichte in Bonn und Los Angeles und der Promotion zum Thema "SPD und äußere Sicherheit" in der politischen Forschung und beim Verteidigungsministerium. Anfang der 90er-Jahre ging er zum Luft- und Raumfahrtkonzern DASA, wo er zum Geschäftsführer und Vorsitzenden des Aufsichtsrats aufstieg.

Enders ist Vater von vier Söhnen und geht in seiner Freizeit gern Fallschirmspringen. Das hat er in den 70er-Jahren gelernt, als er bei der Bundeswehr diente. Aus dieser Zeit rührt auch sein Spitzname bei EADS her: Major Tom.
Mergers & Acquisitions: Fresenius

Weltweit müssen sich mehr als 1,5 Millionen nierenkranke Patienten regelmäßig der Dialyse unterziehen. Nur auf diese Weise können sie überleben. Führender Anbieter von Dialyseprodukten rund um den Globus ist die Firma Fresenius Medical Care aus Bad Homburg vor der Höhe in Hessen. Das Unternehmen stellt beispielsweise Hämodialyse-Geräte, Dialysatoren und damit verbundene Einwegprodukte her.

Vor zwei Jahren ist Fresenius nun auch groß in das Geschäft mit Dialyse-Kliniken eingestiegen. Im März 2006 übernahm das Unternehmen die Renal Care Group, den drittgrößten Betreiber von Dialysekliniken in den Vereinigten Staaten. Das Geschäft brachte Fresenius den ersten Platz in der Kategorie "Mergers & Acquisitions" beim Wettbewerb "Best of European Business". In den USA wurde Fresenius durch die Übernahme Marktführer, der Marktanteil stieg von 27 auf 35 Prozent.

Die Renal-Gruppe betreibt in den USA 456 eigene Dialysekliniken in 34 verschiedenen Bundesstaaten und behandelt mehr als 30.000 Patienten. Für sich betrachtet ist das Unternehmen die Nummer drei auf dem amerikanischen Markt und hat dort neun Prozent Marktanteil. Fresenius gehört auch hier schon zu den Großen und bietet Produkte sowie Dienstleistungen für Menschen mit chronischem Nierenversagen an. Im Unternehmen verspricht man sich von der Übernahme, dass die Forschungs- und Entwicklungsausgaben ab diesem Jahr um jährlich 10 Mio. $ steigen. Weiterer Vorteil des Deals: Renal ist stark im Markt für private Dialysekliniken, Fresenius produziert die passenden Produkte derzeit weltweit am günstigsten. Zusammen ist man im Gesundheitsmarkt also besonders konkurrenzstark. Die Übernahme kostete Fresenius rund 190 Mio. $, davon waren 100 Mio. $ bei Kaufabschluss fällig.

Das Kliniknetz erstreckt sich nun über Nordamerika, Europa, Asien, Lateinamerika und Afrika. In den insgesamt 2221 Einrichtungen betreut Fresenius alles in allem rund 172.227 Dialysepatienten. Sobald die Übernahme der Renal-Gruppe komplett ist, wird der Konzern rund 1500 Dialysekliniken in Nordamerika betreiben und darin rund 115.000 Patienten versorgen.
Mergers & Acquisitions: BASF

"Wir halten an unserem Ziel fest, Engelhard zu übernehmen", sagte Jürgen Hambrecht, Vorstandsvorsitzender der BASF, in einer Pressemitteilung Ende Januar 2006. Der Ludwigshafener Chemie-Konzern war beharrlich und wurde für die erfolgreiche Übernahme des amerikanischen Unternehmens Engelhard belohnt. Nicht mit einem zweiten Platz. BASF landete neben Fresenius gleichrangig auf dem ersten Platz in der Kategorie "Mergers & Acquisitions" des "Best of European Business"-Wettbewerbs.

Der Spezialchemiekonzern Engelhard hat seinen Hauptsitz in Iselin im US-Bundesstaat New Jersey, firmiert nach der Übernahme im Sommer 2006 dort jetzt allerdings als BASF Catalysts LLC, einer 100-prozentigen Tochter des deutschen Chemie-Riesen. Engelhard erwirtschaftete in seinem letzten Geschäftsjahr 2005 einen Umsatz vom 4,5 Mrd. $, wobei das Unternehmen im Wesentlichen mit Technologie für Autokatalysatoren erfolgreich war. So erfolgreich, dass der Konzern sich mit seinen damals rund 7000 Mitarbeitern zu den internationalen Fortune-500-Unternehmen zählen durfte.

Ein Schnäppchen war die Akquisition daher nicht. Doch hat sich die Investition in Höhe von 5,1 Mrd. $ für den derzeit weltweit größten Chemiekonzern gelohnt. "Mit der Erweiterung ihres Katalysatorengeschäfts wird die BASF noch konjunkturrobuster", lautet das Urteil der Jury. "Durch den Zukauf verfügt das Unternehmen über eine weltweit einzigartige Forschung auf dem Gebiet der Katalyse."

Mit der Übernahme findet Engelhard wieder Anschluss an seine alte Heimat: 1896 wanderte die Familie Engelhard aus dem hessischen Hanau in die USA aus. Dort wurde das Unternehmen dann sechs Jahre später gegründet.
Wachstum, Großunternehmen: Benteler

Wenn Hubertus Benteler, der Vorstandschef des gleichnamigen Automobilzulieferers aus Paderborn, den Geschäftserfolg seines Unternehmens erklärt, fallen Begriffe wie aus dem BWL-Lehrbuch, nämlich innovative Produkte und Prozesse sowie eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur. Die Jury des Wettbewerbs "Best of European Business" lobt dagegen die dynamischen Unternehmensstrukturen. Die wenigen Hierarchiestufen erleichterten und beschleunigten Entscheidungsprozesse und die flexiblen Produktionsstrukturen schafften Kundennähe.

Die Benteler-Gruppe ist seit 132 Jahren in Familienbesitz - und soll es auch bleiben: Zu den obersten Unternehmenszielen gehört es, die finanzielle Unabhängigkeit zu erhalten. Das Unternehmen hat drei Geschäftsbereiche. Knapp drei Viertel des Umsatzes - genau sind es 73 Prozent - entfielen im Jahr 2006 auf die Automobiltechnik. Den Rest erbrachten zwei weitere Sparten: Handel trug 14 Prozent zum Konzernumsatz bei, Stahl/Rohr noch einmal 13 Prozent. Mit einem durchschnittlichen Wachstum von 26 Prozent im Jahr ist Benteler vor allem in Nordamerika besonders erfolgreich. Hier erweist sich die Kundennähe von Vorteil: Der Konzern produziert an 57 Standorten in 22 Ländern.

Benteler produziert unter anderem Achsmodule, Stabilisatoren, Querlenker, Karosserieteile und Abgassysteme. Für das Geschäftsjahr 2007 erwartet der Konzern eine Umsatzsteigerung von mehr als 10 Prozent auf knapp 6 Mrd. Euro. Die Fünf-Jahres-Planung sieht bis 2011 ein Umsatzwachstum von knapp 20 Prozent vor, bei überwiegender Cashflow-Finanzierung. Alle drei Geschäftsbereiche sollen im Ergebnis zulegen. Die für das Wachstum notwendigen Investitionen werden wie bisher konservativ finanziert. Das Verhältnis von Nettofinanzschulden zum Eigenkapital soll unter 50 Prozent bleiben. Im Bereich Handel bemüht man sich intensiv darum, auf den den Wachstumsmärkten Osteuropa und China Fuß zu fassen. Das Geschäft soll insbesondere in Polen, den baltischen Staaten, Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Rumänien und Russland ausgebaut werden. In Westeuropa wird der Markt voraussichtlich kaum wachsen.
Wachstum, mittelgroße Unternehmen: Schmitz Cargobull

Das Münsteraner Unternehmen mit dem blauen Elefantenbullen hat sein Wachstumstempo erhöht: Das Geschäftsjahr 2006/2007 war das erfolgreichste in der Firmengeschichte von Schmitz Cargobull. Zudem kann die Cargobull-Finanzierungstochter Finance eine preiswürdige Expansion nach Nord- und Osteuropa vorweisen.

Schmitz Cargobull stellt Lkw-Auflieger her. Insbesondere die neuen EU-Mitgliedsstaaten, Russland und die angrenzenden ehemaligen Teilrepubliken halten die Transporteure in Atem. Die Spediteure West- und Südeuropas profitieren ebenfalls von den teils zweistelligen Wachstumsraten dieser neuen Märkte, aber auch von der robusten heimischen Wirtschaft.

Der Marktanteil von Schmitz Cargobull liegt in Europa bei 26 Prozent. Das Unternehmen hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 1,2 Mrd. Euro erwirtschaftet. Über 4000 Angestellte arbeiten in den verschiedenen Produktionsniederlassungen in ganz Europa. Sie sind in der Lage, einen Trailer innerhalb von nur 18 Stunden herzustellen.

Kundennähe sucht das Unternehmen in ganz Europa: 38 Trailer-Center und rund 700 Servicepartner sollen die Wettbewerbsvorteile vor Ort sichern. Dabei kommt dem Dienstleistungsgeschäft eine wachsende Bedeutung zu. Neben der Finanzierung sind Beratung, Reparatur und Teileversorgung im Angebot. Zum Service zählt auch Telematik, die Spediteure ständig über Standort, Zustand der Ladung und des Trailers informiert.

Für 2008 und 2009 plant Schmitz Cargobull, über 55.000 Trailer zu bauen und so einen geschätzten Anteil von über 30 Prozent des europäischen Markts einzunehmen. Bis zum Jahr 2010 will es seinen Umsatz auf 3 Mrd. Euro steigern.

Eine Expansion auf die Märkte in Asien und den USA ist im Moment nicht geplant. Gerade das vielerorts hochgelobte China erweist sich für die modernen Lastesel von Schmitz Cargobull als zu rückständig. "Die Zugmaschinen, die in China herumfahren, haben das technische Niveau der 50er-Jahre in Deutschland", sagt Hoffmann. In der Firmenzentrale in Horstmar bei Münster setzt man weiter auf den europäischen Markt.
Feb 15, 2008

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