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Krisenfeste Fernbeziehung

Transatlantische Geschäfte sorgen auf beiden Seiten des Ozeans für Wohlstand und Jobs. Daran ändern auch die Turbulenzen an den Finanzmärkten nichts. Doch unter Managern in den USA und der EU ist die Beziehungspflege sehr unausgewogen. Einer hat sich jedoch besonders verdient gemacht und wurde dafür ausgezeichnet.

Kein IBM-Computer für Papa, kein Burger von McDonald's für den Sohn, keine Pampers fürs Baby und kein Amazon-Buch für Mama? Unvorstellbar. Produkte und Dienstleistungen von amerikanischen Unternehmen sind aus dem europäischen Konsumalltag kaum wegzudenken.

Die Europäische Union und die USA treiben ja auch den regesten Handel auf der Welt. Innerhalb der EU dominiert Deutschland und belegt weltweit Platz fünf der US-Handelspartner. So exportierten die Deutschen 2006 Waren für rund 78 Mrd. Euro in die USA und importierten Produkte im Wert von 48,5 Mrd. Euro. In den vergangenen Jahren ist der Handel stetig gewachsen. Doch nun drohen Einbrüche, wenn es in den USA zu einer Rezession kommt. <Je höher zudem der Eurokurs ist, umso teurer sind aus amerikanischer Sicht Waren vom alten Kontinent - das bremst die Nachfrage. Als emsiger Exporteur ist Deutschland besonders betroffen.

Viele US-Manager scheren sich nicht um EU-Beziehungen

Der amerikanische Konsument hat im vergangenen Jahrzehnt auf Pump gelebt und über die hohe Importnachfrage die Weltwirtschaft angekurbelt. Das war nicht durchzuhalten, insofern ist die aktuelle Entwicklung eine notwendige Korrektur", erklärt Heribert Dieter, Experte für internationale Wirtschaftsbeziehungen bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). "Die aktuelle Finanzkrise hat keine realwirtschaftlichen Ursachen, sondern wurde vor allem durch Fehlspekulationen einiger Banker oder unzureichendes Risikomanagement auf virtuellen Märkten ausgelöst", sagt Burkhard Schwenker, Vorsitzender der Geschäftsführung von Roland Berger Strategy Consultants. "Sobald die Vertrauensverluste aber die reale Wirtschaft beeinträchtigen und etwa Wachstumsfinanzierungen für Unternehmen erschweren, wird es kritisch."

Die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen beurteilen Topmanager dies- und jenseits des großen Teichs höchst unterschiedlich. Eine Roland-Berger-Umfrage zeigt: Während fast alle europäischen Führungskräfte ein engeres Miteinander wünschen, halten rund 40 Prozent der amerikanischen Konzernlenker die Zusammenarbeit mit der EU für unwichtig.

Auszeichnung für Airbus-Chef Enders

Airbus-Chef Thomas Enders setzt sich seit Jahren dafür ein, bei amerikanischen Firmen das Interesse an der Europäischen Union zu steigern. Am Mittwochabend hat er dafür bei der deutschen Ausscheidung des European-Business-Wettbewerbs den Sonderpreis in der Kategorie "Transatlantische Beziehungen" erhalten.

Trotz mitunter mangelnden Interesses sind amerikanische Unternehmen mit rund 130 Mrd. Euro noch immer der größte ausländische Investor in Deutschland. Eine von der amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham) erstellte Rangliste der 50 umsatzstärksten US-Firmen in der Bundesrepublik führt der Ölkonzern ExxonMobil an. Auf den nächsten Plätzen liegen die Autobauer Opel und Ford. Insgesamt arbeiten 800.000 Menschen bei den 2700 Töchtern und Niederlassungen amerikanischer Firmen in Deutschland.

Noch mehr Mitarbeiter haben allerdings deutsche Unternehmen in den Vereinigten Staaten: Sie bringen rund 180 Mrd. Euro und eine Million Arbeitsplätze nach Amerika. "Diese gegenseitigen Investitionen auf hohem Niveau sind ein krisensicheres Band, auch vor dem Hintergrund einer möglichen US-Rezession", sagt Walther Leisler Kiep, Ehrenvorsitzender der Atlantik-Brücke.

Der aktuell schwache Dollar lockt europäische Firmen regelrecht in die USA. Der Wechselkurs bietet ihnen günstige Bedingungen, denn wer auch jenseits des Atlantik produziert, leidet erheblich weniger unter einer Überbewertung des Euro.

Für Dierk Müller, Geschäftsführer von AmCham, sind Wechselkursrisiken aber nicht der einzige Investitionsanreiz: "Europäische Unternehmen schätzen auch die gute Forschungs- und Universitätslandschaft in den USA. Allerdings haben die Firmen oft mit juristischen Problemen zu kämpfen, denn Haftungsfragen sind in Amerika strenger geregelt als hier. Auch die Gerichtskosten klettern schnell in die Höhe." Damit alles glatt läuft, rät er deutschen Betrieben, die eine US-Tochter gründen, rasch erfahrene einheimische Führungskräfte einzustellen. Auch beim Start einer US-Firma in Deutschland gibt es oft Schwierigkeiten: "Eher hinderlich ist das stark regulierte deutsche Arbeitsrecht. Bei den Unternehmenssteuern ist weniger der Prozentsatz das Problem, sondern eher das komplizierte System. Oft werden Gesetze rückwirkend geändert - Gift für jeden Investor", sagt Müller.

Europa-Hauptquartier in Sachsen

Von solchen Regularien, hohen Lohnnebenkosten und starren Kündigungsvorschriften lässt sich Signet Solar nicht abschrecken. Das kalifornische Unternehmen hat sich nach fast einem Jahr Standortsuche in Europa für das sächsische Döbeln entschieden. "Wir bauen das Europa-Hauptquartier in Sachsen, weil der deutsche Markt führend in der Fotovoltaik ist", erklärt Vertriebsleiter Matthias Gerhardt. 50 Mio. Euro investiert Signet Solar in den Bau des Werks, in dem ab Mitte 2008 zunächst 130 Mitarbeiter Solarmodule fertigen werden. "Das Umfeld aus Forschung und Zulieferern in den Bereichen Mikroelektronik und Informationstechnologie ist sehr gut und die Lage mitten in Europa ausgezeichnet", sagt Gerhardt.

Tatsächlich haben sich inzwischen viele Halbleiter- und Nanotechnologie-Firmen um Dresden angesiedelt. So auch der amerikanische Prozessoren-Hersteller Advanced Micro Devices (AMD). 6 Mrd. $ hat AMD dort investiert. Heute arbeiten 3000 Menschen in zwei sächsischen Werken, ein Ausbau ist geplant. "Die Kostenstruktur hier ist sehr wettbewerbsfähig, zum Beispiel im Vergleich mit asiatischen Standorten", sagt Deppe.

Sorgen bereitet deutschen Wirtschaftsanalysten die Vorstellung, Hillary Clinton könnte die nächste Präsidentin der USA werden. "Wenn Clinton die Wahl gewinnt und tatsächlich Handelsbarrieren für ausländische Güter aufbaut", sagt SWP-Experte Dieter, "dann hat die Weltwirtschaft ein Problem."
Feb 15, 2008

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